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		<title>lebensmeister</title>
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		<pubDate>Wed, 09 May 2012 18:56:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cw</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Den Kalk am falschen Ort
„Meine Knochen brachen schon unzählige Male. Am häufigsten waren die Beine betroffen. Mein linkes Bein ist durch die vielen Brüche und Operationen um rund zwei Zentimeter kürzer als das rechte. Ich leide an Osteogenesis imperfecta – sogenannten Glasknochen. Zu stürzen oder meine Knochen zu stark zu belasten, hat für mich fatale [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Den Kalk am falschen Ort</strong></p>
<p>„Meine Knochen brachen schon unzählige Male. Am häufigsten waren die Beine betroffen. Mein linkes Bein ist durch die vielen Brüche und Operationen um rund zwei Zentimeter kürzer als das rechte. Ich leide an Osteogenesis imperfecta – sogenannten Glasknochen. Zu stürzen oder meine Knochen zu stark zu belasten, hat für mich fatale Folgen. Meine Knochen brechen unter der Last beziehungsweise durch den Aufprall. Auch in einer Schlange zu warten oder durch die Stadt zu spazieren, birgt Risiken. Ein leichter Stoss genügt; Ich verliere das Gleichgewicht und stürze.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Glasknochen sind eine Erbkrankheit. Ich bin die Erste in meiner Familie, die daran leidet. Hätte ich Kinder, wäre das Risiko sehr gross, dass ich die Krankheit vererbe. Verziehen hätte ich mir das nie. Warum es genau mich getroffen hat? Diese Frage stelle ich mir nicht. Schuldzuweisungen oder die Krankheit als Strafe anzusehen, liegen mir fern. Diese Genmutation war einfach Pech.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Als Kind hat mich die Krankheit kaum gestört – im Gegenteil. Man nutzt es aus und geniesst den Sonderstatus. Ich habe die Schule im Quartier besucht. Nur Sportunterricht und Wanderungen waren für mich tabu. Bis ich 30 Jahre alt war, schaffte ich es die Krankheit in einem gewissen Masse zu ignorieren. Ich schloss eine Lehre ab und arbeitete als Laborantin in verschiedenen Unternehmen. Den Job musste ich krankheitsbedingt aufgeben. Bis heute habe ich die Hälfte meines Lebens in Krankenhäusern und Rehabilitations-Kliniken verbracht. Aus der Klinik entlassen zu werden, ist jedes Mal ein Triumph. Das Gefühl, es wieder mir und dem Leben gezeigt zu haben !</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>In meinem Körper ist der Kalk am falschen Ort. Er lagert sich in den Arterien, den Venen oder in den Nieren ab. Ein Aorta-Bypass, eine zweifache Operation der verstopften Halsschlagader und mehrmaliges Zertrümmern der Nierensteine waren notwendig. Im Oberkiefer versursachten mir 11 zusätzliche Zähne unglaubliche Schmerzen. Sie wurden operativ entfern. Die 17 Zähne im Unterkiefer, die man auf dem Röntgenbild sieht, verhalten sich im Moment ruhig. Auch die acht Weisheitszähne verursachen keine Probleme. Weise machen sie jedoch nicht!</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Ich versuche ein so normales Leben wie möglich zu führen und denke nicht daran, dass ich mir was brechen könnte. Viele Menschen, die an Glasknochen leiden – in der Schweiz sind es rund 150 &#8211; haben ein schwereres Los als ich. Sie brechen sich sogar im Sitzen die Knochen oder kommen mit unzähligen Knochenbrüchen zur Welt. Ein normales Leben, das heisst für mich am Alltag teilnehmen ; ins Theater und Kino gehen, ein feines Essen geniessen, Freunde treffen, verreisen. Auf fremde Hilfe kann ich dabei nicht verzichten. Ich bin auf die Unterstützung meiner Mutter und der Spitex angewiesen.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Vor rund drei Jahren ging es mir sehr schlecht. Nach neuen Knochenfrakturen sass ich im Rollstuhl. Ich hörte auf zu essen, zu reden, zu kämpfen. Man erklärte mir, dass ich in diesem Zustand nicht mehr alleine wohnen könne und in ein Betreutes Wohnen umziehen müsse. Da erwachte in mir mein Lebenswillen und ich begann zu kämpfen – für mich und meine Unabhängigkeit. Kurze Distanzen lege ich heute wieder zu Fuss zurück. Um Energie zu tanken verreise ich an die Wärme, denn bei Kälte spüre ich wortwörtlich jeden Knochen. Freuen tue ich mich vor allem auf die lauen Sommerabende zu hause. Das ist etwas vom Schönsten für mich und gibt mir das Gefühl auf der Sonnenseite zu stehen.“</p>
<p>Gerda Kellenberger, 59 Jahre, Niederteufen</p>
<p><em>publiziert 9. ami 2012, appenzeller zeitung</em></p>
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		<title>Lebensmeister</title>
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		<pubDate>Fri, 04 May 2012 06:04:34 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[lebensmeister]]></category>

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		<description><![CDATA[die Lebensfreude festgehalten
«Ich war froh, als ich endlich eine Diagnose erhielt. Ich hatte starke Gleichgewichtsstörungen, hatte Mühe aufrecht zu gehen und dann bekamen meine Symptome auf einmal einen Namen. MS &#8211; Multiple Sklerose. Das war im Juni 1995. Die jüngste meiner drei Töchter war gerade 10 Jahre alt. « Das chunt scho wider »,  haben wir sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>die Lebensfreude festgehalten</strong></p>
<p>«Ich war froh, als ich endlich eine Diagnose erhielt. Ich hatte starke Gleichgewichtsstörungen, hatte Mühe aufrecht zu gehen und dann bekamen meine Symptome auf einmal einen Namen. MS &#8211; Multiple Sklerose. Das war im Juni 1995. Die jüngste meiner drei Töchter war gerade 10 Jahre alt. « Das chunt scho wider »,  haben wir sie getröstet, genau wissend, dass es nie mehr kommt.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Die eigenen Gefühle nach einer solchen Diagnose in Worte zu fassen, ist schwer. Zuerst war ich geschockt, dann kam Trauer, Wut, Unglauben und die Frage: Warum gerade ich? Doch ich hatte die Wahl : Entweder ich meistere die Krankheit, oder die Krankheit meistert mich. Ich habe mich für ersteres entschieden. Ich bin eine Kämpferin. Durch meine Krankheit habe ich mich verändert und neu kennengelernt. Ich bin geduldiger und dankbarer geworden. Denn ich habe nie die Gewissheit, wie es mir morgen geht. Was mir bleibt, ist jeden Moment und die einfachen Dinge zu genießen. Ein Glas Wein, Zusammensein mit der Familie, ein Essen mit Freunden. Früher war ich eine begeisterte Berggängerin. Heute bin ich für längere Distanzen auf den Elektrorollstuhl angewiesen. Ausflüge in die Natur lass ich mir nicht nehmen. Den Rollstuhl zu gebrauchen oder auf eine Schwimmhilfe angewiesen zu sein, dafür schäme ich mich nicht. Hauptsache ich bleibe aktiv und kann am Leben teilnehmen – sei es Schwimmen in einem See oder die Aussicht von einem Berggipfel genießen. Auch das Schreiben habe ich nicht aufgegeben, obwohl meine rechte Hand stark zittert. Ich wurde einfach zur Linkshänderin. Beim Essen konnte ich mit meiner rechten Hand das Fleisch nicht mehr zerschneiden und war auf fremde Hilfe angewiesen. Nun habe ich das durch meine Ergotherapie wieder erlernt. Ein Stück Lebensqualität ist zurück. Ein kleiner Triumph, eine Bestätigung für mich persönlich. Mein Bewegungsradius ist klein geworden und beschränkt sich rund ums Haus. Kaum bewegen kann ich mich, sobald die Temperaturen im Sommer steigen. Dann sind meine Gelenke wie blockiert.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Die Krankheit zeigte in den vergangene 17 Jahre immer wieder neue Gesichter. Zeitweise sah ich alles doppelt, hatte unerklärliche Schmerzen oder Mühe zu sprechen. Eine Zeitlang konnte ich mein Lachen nicht kontrollieren. Ob in der Kirche oder beim Schulbesuch in der Klasse meiner Tochter, plötzlich fing ich laut an zu lachen. Das war mir enorm peinlich; ganz zu schweigen von meiner Tochter. Trotzdem: An meiner Lebensfreude halte ich fest – verreise, singe im Chor, koche für die Familie.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Die Krankheit ist dabei zum Begleiter und nicht zum Feind geworden. Ich habe sie angenommen, gelernt mit ihr umzugehen, bin durch sie stärker aber auch isolierter geworden. Ein Leben nach dem Lustprinzip ist nicht mehr möglich, weil die Krankheit und mein Zustand nicht kalkulierbar sind. Im Dezember habe ich meine Medikamente abgesetzt, die ich mir während 16 Jahren drei Mal die Woche gespritzt hatte. Ich war Spritzen-müde. Nun ist jeder Abend ohne Spritze ein Genuss. Solche Entscheidungen sind schwer zu fällen; nur ich kann sie treffen und trage die Konsequenzen. Bis jetzt geht es mir gut. Das Leben mit der Krankheit schaffe ich nur dank meinem Mann, meiner Familie, meinem Umfeld. Sie motivieren mich, geben mir Kraft, Verständnis und sind da, wenn es mir schlecht geht. Ich bete auch. Die Angst vor der Zukunft sei es im Rollstuhl oder als Pflegefall, blende ich aus. Dafür lebe ich zu gerne. Der Moment zählt. Man kann es Gottvertrauen nennen; doch mein Leben lass ich mir nicht nehmen.»</p>
<p><em>Beatrice Mevius, 54 Jahre, Lustmühle</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
<p><em>publiziert 2. Mai 2012, appenzeller zeitung</em></p>
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		<title>Lernen und «Uffzgi» im eigenen Tempo</title>
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		<pubDate>Wed, 02 May 2012 21:08:48 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Selbstwirksames Lernen statt Über- und Unterforderung: Was in der Theorie gut klingt, ist in den Schulen noch nicht überall angekommen.
Anna macht die Hausaufgaben nur widerwillig – langweilig und unsinnig seien sie. Ihr Schulkollege Raphael erledigt die Aufgaben in Windeseile und würde gerne mehr für die Schule arbeiten. Von solch einer Situation träumen die Eltern von [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Selbstwirksames Lernen statt Über- und Unterforderung: Was in der Theorie gut klingt, ist in den Schulen noch nicht überall angekommen.</strong></p>
<p>Anna macht die Hausaufgaben nur widerwillig – langweilig und unsinnig seien sie. Ihr Schulkollege Raphael erledigt die Aufgaben in Windeseile und würde gerne mehr für die Schule arbeiten. Von solch einer Situation träumen die Eltern von Max. Ihr Sohn bricht unter der täglichen Aufgabenlast fast zusammen.</p>
<p>Häufig bestimmt in der Schweiz noch allein die Lehrperson, was wann gelernt wird, und zwar für alle Schüler gleichzeitig. Unter- und Überforderungen sind das Resultat. Selbstwirksamkeit steht für das Gegenteil – für ein Lernen, bei dem das Kind selbst bestimmt, wann es was lernt. Das Vertrauen in das eigene Können und die eigenen Stärken sollen eigenständige Lernende schaffen, die sich Herausforderungen selbstbewusst stellen.</p>
<p><strong>Im Lehrplan verankert<br />
</strong>«Die Förderung der Selbstwirksamkeit stellt einen Grundpfeiler der öffentlichen Schule dar», erklärt denn auch Manuela Keller-Schneider, Fachbereichsleiterin Pädagogische Psychologie an der Pädagogischen Hochschule Zürich. «Gemäss dem Volksschullehrplan fördert die Schule die Bereitschaft, Verantwortung für das Zusammenleben und die Gesellschaft zu tragen – dies ist nur möglich, wenn sich die Schülerinnen und Schüler selbstwirksam erleben». Zentral dafür sei aber letztlich die Einstellung und Motivation der Lehrpersonen. An den Lehrerinnen und Lehrern liegt es, ob sie sich selbst und ihren Schülern das selbstwirksame Lernen zutrauen.</p>
<p><strong>In der Theorie klingt es gut<br />
</strong>Theoretisch ist Selbstwirksamkeit ein einleuchtendes Konzept. Doch wie sieht die Situation in der Praxis aus? Ist Selbstwirksamkeit das neue pädagogische Zauberwort? «Selbstwirksamkeit ist kein Zauberwort, sondern eine Lust, die auch mit Arbeit zu tun hat. Wenn jemand begeistert und ganzheitlich lernt, steigen die Energie und der Stolz auf das eigene Tun», erklärt Ursula Taravella, Schulleiterin und Mitbegründerin der SBW Primaria.</p>
<p>In der St. Galler Privatschule lernen die Kinder im eigenen Tempo, ohne Stundenplan, ohne Noten und in altersgemischten Gruppen. «Wir kommen selbstwirksam auf die Welt. Es ist eine menschliche, eine biologische Charakteristik. Um sie später zu erhalten, braucht es jedoch Systeme, die Fehler zulassen – sei es in der Schule oder der Familie», sagt Ursula Taravella.</p>
<p>Doch sind solch lebendige Systeme in einer öffentlichen Schule überhaupt umsetzbar – mit Sparzwang, Lehrplan, Notenpflicht und Leistungsdruck im Rücken? «Selbstwirksamkeit ist kein Privileg einer Privatschule», betont Schulleiterin Susanne Gauch. Die Pädagogin leitet das Schulhaus am Wasser in Zürich. Die Schule erhielt 2010 den Lissa-Preis für seine begabungs- und begabtenfördernden Unterrichtsstrukturen und Projekte. «Bei uns findet einmal pro Woche ein klassenübergreifender und altersdurchmischter Begabungsförderungs-Nachmittag statt», erklärt die Schulleiterin. Jedes Kind belegt dabei einen Kurs, der seinen Fähigkeiten entspricht – von Akrobatik bis zu Magnetismus. Die Schüler bekommen Raum und Zeit, um ihre Stärken zu entwickeln und eigene Erfahrungen zu machen: Selbstwirksamkeit in ihrer reinsten Form.</p>
<p>Bei Kindern und Eltern stösst der Nachmittag auf Begeisterung. für Schulleitung und Lehrerschaft ist es ein Mehraufwand. Das Entwickeln und die Koordination der Kurse und das Unterrichten in altersdurchmischten Gruppen fordern Zeit und Energie. Denn: Unterrichten sollen die Lehrpersonen an diesem Nachmittag nicht «irgendein» Fach, sondern eine ihrer Begabungen. «Eine selbstwirksame Lehrkraft kann sich besser ins Kind versetzen und fördert damit dessen Schaffen», erklärt die Schulleiterin.</p>
<p><strong>Hausaufgaben nach Wahl<br />
</strong>Die Schule am Wasser hat auch eine Lösung für die Hausaufgaben-Probleme von Anna, Max und Raphael parat. Kinder und Eltern entscheiden sich zusammen für einen von drei Hausaufgaben-Typen: keine Hausarbeit, von der Lehrkraft bestimmten Aufgaben oder selbst gewählte Hausaufgaben. Aus der lästigen Pflicht wird ein selbstbestimmtes Unterfangen – und wie die Erfahrung zeigt, ohne Leistungseinbruch.</p>
<p><em>publiziert 23. april 2012, st.galler tagblatt</em></p>
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		<title>Goldmedaille mit Biss</title>
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		<pubDate>Tue, 01 May 2012 19:07:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cw</dc:creator>
				<category><![CDATA[auswahl kolumnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Sollte Roger Federer an Olympia seine erste Goldmedaille im Tennis Einzelturnier gewinnen, braucht er dazu nicht nur eine Glanzleistung, sondern auch eine ausgeprägte Nackenmuskulatur und nicht zu vergessen den richtigen Biss. Denn noch nie in der Geschichte der Olympischen Spiele waren die Goldmedaillen schwerer als dieses Jahr. 400 Gramm wiegt ein einzelnes Stück und vermittelt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Sollte Roger Federer an Olympia seine erste Goldmedaille im Tennis Einzelturnier gewinnen, braucht er dazu nicht nur eine Glanzleistung, sondern auch eine ausgeprägte Nackenmuskulatur und nicht zu vergessen den richtigen Biss. Denn noch nie in der Geschichte der Olympischen Spiele waren die Goldmedaillen schwerer als dieses Jahr. 400 Gramm wiegt ein einzelnes Stück und vermittelt den Siegern das Gefühl als tragen sie eine grosse Konservenbüchse Erbsen um den Hals. Zum Vergleich : 1912 an den Olympischen Spielen in Stockholm waren die goldene Auszeichnung rund 17 mal leichter. Grund für das Gewicht der Londoner Goldmedaille ist nicht nur die Größe, sondern das Material der Auszeichnung. Denn nicht alles was glänzt ist Gold! Die Plakette besteht zu 92,5 Prozent aus Silber, 6 Prozent aus Kupfer und nur minimalen 1,5 Prozent Gold. Die sechs Gramm Gold bilden die hauchdünne äussere Schicht der Medaille. Den Gewinnern in London wird darum geraten, nur ganz leicht ins Edelmetall zu beißen, wenn überhaupt. Denn bei zu viel Biss, wird die Goldschicht durch- oder sogar abgebissen. Eine spezielle Art sich einen Olympiasieg zu verinnerlichen. Wer die Goldmedaille und seine Zähne schonen möchte, sollte sich während dem Wettkampf bissig zeigen, um für die Siegerehrung nur noch ein müdes, medaillenschonendes Lächeln übrig zu haben.</p>
<p><em>publiziert 28. april 2012, appenzeller zeitung</em></p>
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		<title>Schulabgängern ohne Lehrstelle eine Chance geben</title>
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		<pubDate>Fri, 20 Apr 2012 08:23:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>cw</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Findet ein Teenager keine Lehrstelle oder bricht seine Ausbildung ab, riskiert er arbeitslos zu bleiben und später auf Sozialhilfe angewiesen zu sein. Ein Szenario, das die Gemeinde Speicher verhindern möchte. Ein Programm soll Schulabgänger bei der Suche nach Lehrstellen unterstützen.
 
In der Schweiz wird jährlich ein Sorgenbarometer veröffentlicht. Bei der Umfrage belegt die Sorge vor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Findet ein Teenager keine Lehrstelle oder bricht seine Ausbildung ab, riskiert er arbeitslos zu bleiben und später auf Sozialhilfe angewiesen zu sein. Ein Szenario, das die Gemeinde Speicher verhindern möchte. Ein Programm soll Schulabgänger bei der Suche nach Lehrstellen unterstützen.</strong></p>
<p><strong> </strong></p>
<p>In der Schweiz wird jährlich ein Sorgenbarometer veröffentlicht. Bei der Umfrage belegt die Sorge vor Arbeitslosigkeit und Jugendarbeitslosigkeit seit Jahren den Spitzenplatz. Das Ergebnis erstaunt. Denn die Schweizer Arbeitslosenquote mit 3,4 Prozent* gehört weltweit zu den tiefsten. Ende 2011 waren offiziell 18858 Jugendliche arbeitslos, das entspricht rund 3,4 Prozent aller 15 &#8211; 24 Jährigen.</p>
<p><strong>Ohne Lehrstelle – ein Teufelskreis beginnt<br />
</strong>Basierend auf diesen Zahlen scheint Jugendarbeitslosigkeit in der Schweiz kaum ein Problem darzustellen. Für die arbeitslosen Jugendlichen hingegen ist die Situation prekär. Keine Lehrstelle zu finden, ist für Teenager oft eine Negativspirale, geprägt von Existenzängsten und Selbstzweifeln. Zum Beispiel für Melani Tomic. Die 16 jährige Schülerin fand trotz Schnupperlehre im Gesundheitsbereich und unzähligen Bewerbungsschreiben keine Lehrstelle. „Ich war frustriert und unsicher. Die Absagen wurden damit begründet, dass die Lehrstelle vergeben oder meine Noten ungenügend seien“, erinnert sich die Schülerin. Melani Tomic rutsche in eine Motivationskrise. Ihr fehlte die Energie für die Schule und den Bewerbungsmarathon. „Vielen Jugendlichen ergeht es wie Melani“, sagt Peter Graf. Der ehemalige Verkaufsleiter bei einer Versicherung ist seit knapp zwei Jahren pensioniert und gehört zu den Initianten von „wir für dich“, einem Programm, das auf Gemeindeebene Schulabgängern hilft eine Lehrstelle zu finden. „Oft mangelt es den Jugendlichen an Unterstützung. Die Eltern kommen aus einer anderen Kultur und verstehen unser Ausbildungssystem nicht. Oder es sind einheimische Eltern, die keine Zeit für Teenager haben. Auch das Engagement der Lehrpersonen ist limitiert. Sie können nicht 25 Schüler engmaschig bei der Lehrstellensuche betreuen“, umschriebt Peter Graf die Situation. Ohne elterliche Unterstützung und Beziehungsnetz wird es sehr schwer eine Lehrstelle zu finden. Und genau da setzt das Programm „wir für dich“ an.</p>
<p>Peter Graf berät Schülerinnen und Schüler, die keine Lehrstelle gefunden haben. Das heißt er unterhält sich mit den Jugendlichen, bearbeitet Bewerbungsschreiben, kontaktiert Unternehmen, verhandelt mit Personalabteilungen, begleitet die Teenager zu Schnuppertagen, coacht sie für Vorstellungsgespräche und betreut sie später bei Bedarf während der Ausbildung. Peter Graf profitiert dabei von einem dichten Beziehungsnetz in der Region. Zusätzlich steht er in Kontakt mit Lehrern und Eltern, welche die Teenager an „wir für dich“ verweisen. Der 66 Jährige arbeitet ehrenamtlich und erhält von der Gemeinde eine symbolische finanzielle Unterstützung. Sein Engagement beruht auf der Überzeugung, den Jugendlichen eine neue Perspektive zu ermöglichen. „Viele Schulabgänger wissen nicht, was für Optionen es gibt, um eine Lehrstelle zu finden. Mit einer vom Internet herabgeladenen 0815-Bewerbung hat man keine Chance. Doch wer sagt das den Stellensuchenden? Und wer unterstützt sie, ihre Bewerbungen und ihr Auftreten zu verbessern?“</p>
<p><strong>Profitieren vom Kontaktnetz der älteren Generation<br />
</strong>Als Melanie Tomic das erste Mal am Mittwochnachmittag im Gemeindehaus in der „wir für dich“ Sprechstunde saß, war sie niedergeschlagen. Eine Lehrstelle ließ immer noch auf sich warten. Zusammen mit Coach Graf bearbeitete sie ihre Bewerbung und setzte sich mit der Berufswahl und möglichen Alternativen auseinander. Einige Wochen später unterschrieb sie ihren Lehrvertrag. Als Fachfrau Gesundheit hätte Melani wohl nie eine Stelle gefunden. Doch seit kurzem bieten die Spitäler in der Region eine Ausbildung zur Assistentin Gesundheit und Soziales an. Dank Peter Graf, der mit den Personalverantwortlichen in engem Kontakt steht, bekam Melani die Möglichkeit zu schnuppern und schlussendlich eine Lehrstelle. „Alleine hätte ich nie von dieser Ausbildung erfahren, geschweige eine Lehrstelle gefunden“, gesteht Melani. Eine ähnliche Erfahrung hat auch der 17 jährige Janiell David gemacht. „Peter Graf hat sich persönlich bei meinem heutigen Arbeitgeber für mich eingesetzt und mir damit die Tür für meine Lehrstelle geöffnet“, erinnert sich Janiell, der seit vergangenem August eine Lehre als Fachmann Betriebsunterhalt EFZ absolviert. Für den Lehrmeister, wie für Lehrling Janiell ist es beruhigend zu wissen, dass Peter Graf auch während der Lehre Ansprechperson bleibt. „Egal was geschieht, ich weiss an wen ich mich wenden kann – und das gibt mir Sicherheit und Vertrauen“, erklärt Janiell.</p>
<p>«Ohne dieses Projekt drohen stellenlose Jugendliche herumzuhängen und es wird schwierig, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen », erklärt Beatrice Thoma, Leiterin der Sozialen Dienste in Speicher. «Fehlt die Ausbildung ist die Gefahr groß, dass Jugendliche ab 18 Jahren bei der Sozialhilfe landen und sich ihre Lebensträume nie erfüllen lassen. Je früher sie unterstützt werden, desto grösser ist die Chance, dass sie Perspektiven haben und diese umsetzen», umschreibt Thoma ihre Erfahrungen aus der Praxis. Basierend auf dieser Erkenntnis begann im Herbst 2010 eine Arbeitsgruppe «wir für dich» zu entwickeln. Schule und Gemeinderat waren begeistert. Die Unternehmen in der Region reagierten positiv. Seit Anfang 2011 hat Peter Graf an die 30 Schulabgänger betreut. Nur für drei Jugendliche konnte keine Lösung gefunden werden. Sie verweigerten jegliche Kooperation.</p>
<p><strong>Eine Lücke in der Jugendförderung schließen und davon profitieren<br />
</strong>«Nicht nur die Jugendlichen profitieren vom Projekt und dem Netzwerk der älteren Generation, sondern auch die Gemeinde», ist Beatrice Thoma überzeugt. «Die Bevölkerung nimmt wahr, dass die Gemeinde ihre Aufgaben ernst nimmt. Zudem spart die Gemeinde langfristig an Sozialhilfeunterstützung. Junge Erwachsene, ohne oder mit schlechter Ausbildung, sind eher von Arbeitslosigkeit betroffen. Bei Arbeitslosigkeit und nach Beendigung der Arbeitslosenunterstützung folgen oft soziale Probleme wie Depression, Scheidung und Rückzug vom gesellschaftlichen Leben».</p>
<p>Auch Gemeinderatspräsident Peter Langenauer ist vom Nutzen des Projektes für die Gemeinde überzeugt. «Es geht darum mit konkreter Hilfe, eine Lücke in unserer Jugendförderung zu füllen. Die Gemeinde erachtet es als wichtig, dass Jugendliche, die bei der Stellensuche nur Misserfolge erfahren, eine neue Chance erhalten. Oberstes Ziel ist es, dass die Jugendlichen nicht zu Sozialfällen werden – und Voraussetzung dazu ist eine berufliche Grundausbildung», erklärt Langenauer. Damit sich die Jugendlichen nicht als Problem oder gar Sozialfall betrachten, wurde «wir für dich» bewusst außerhalb der Behörden angesiedelt. «Entscheidend dafür, ob das Projekt gelingt, ist jedoch die Person, welche die Jugendlichen berät und über das notwendig Netzwerk in der Berufswelt verfügt. Mit Peter Graf haben wir den idealen Coach und Mentor gefunden», betont Langenauer.</p>
<p>Finanziell belastet das Projekt das Gemeindebudget kaum. Da sich das ganze mehrheitlich auf eine ehrenamtliche Tätigkeit stützt, hat die Gemeinde nur mit jährlichen Kosten von rund Fr. 7500.- zu rechnen. Langenauer unterstreicht, dass „wir für dich“ nicht in Konkurrenz zu den vom Kanton angebotenen Stützmassnahmen stehe, sondern eine Ergänzung darstelle. Das Schweizer Arbeiterhilfswerk (SAH), die Anbieter der kantonalen Stützangebote aber auch die Regionale Arbeitsvermittlungsstelle (RAV) stehen dem Projekt positiv gegenüber. „Ich erachte «wir für dich» vor allem deshalb als sinnvoll, weil es die Solidarität innerhalb der Gemeinde nutzt », betont Peter Näf, Leiter des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums in Herisau.</p>
<p><strong>«Verloren hat man, wenn man nichts tut »<br />
</strong>Die Gemeinden in der Region schauen aufmerksam nach Speicher. Nachahmer gibt es aber noch keine. Es stellt sich die Frage, ob es die Aufgabe der Gemeinde sei Jugendlichen bei der Lehrstellensuche zu helfen? Wäre es nicht einfacher, sie an die vom Kanton angebotenen Programme zu verweisen ? «Die Gemeinde ist näher beim Jugendlichen als der Kanton – geographisch aber auch gefühlsmäßig“, ist Coach Peter Graf überzeugt. “Schule, Familie und Freizeit sind eng mit dem Dorf verbunden. Wer wenn nicht die Gemeinde kann die Jugendlichen somit ganzheitlich bei ihrer Lehrstellensuche unterstützen? Mit dem Projekt können wir nur gewinnen, verloren hat man, wenn man nichts tut.&#8221;</p>
<p><em>*Stand Januar 2012 (Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO))</em></p>
<p><strong> „wir für dich“ – klare Regeln, klare Ziele:</strong></p>
<p>1. Jugendlicher füllt ein Anmeldeformular aus und stimmt folgenden Punkten zu:</p>
<ul>
<li>Engagement in der Zusammenarbeit mit Mentor</li>
<li>Bereitschaft zu lernen und zu arbeiten</li>
<li>Pünktlichkeit</li>
<li>Saubere Erscheinung</li>
</ul>
<p>2. Kurzbericht der Schulen (Lehrkraft)</p>
<p>3. Abklärung / persönliche Gespräche mit Mentor</p>
<p>4. Bewerbungen für Schnupperlehre</p>
<p>5. Schnuppern im Betrieb</p>
<p>6. Obligatorische Rückmeldung</p>
<p><em>
<a  href="http://www.wirfuerdich.ch" onclick="javascript:pageTracker._trackPageview('/external/www.wirfuerdich.ch');" >www.wirfuerdich.ch</a></em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p>
<p><em>publiziert 16. april 2012, schweizer gemeinde nr. 4 /2012</em></p>
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		<title>lebensmeister</title>
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		<pubDate>Wed, 11 Apr 2012 07:35:27 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[lebensmeister]]></category>

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		<description><![CDATA[82 jährig und kein bisschen arbeitsmüde
«In einem Alter, in dem sich andere pensionieren lassen, machte ich mich selbstständig und eröffnete mein eigenes Atelier. Der Grund dafür war, dass ich kurz nach meinem sechzigsten Geburtstag die Stelle verlor. Ich arbeitete damals für einen Schweizer Konfektionshersteller, der in seiner Blütezeit bis zu 100 Leute beschäftigte und Geschäfte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>82 jährig und kein bisschen arbeitsmüde</strong></p>
<p>«In einem Alter, in dem sich andere pensionieren lassen, machte ich mich selbstständig und eröffnete mein eigenes Atelier. Der Grund dafür war, dass ich kurz nach meinem sechzigsten Geburtstag die Stelle verlor. Ich arbeitete damals für einen Schweizer Konfektionshersteller, der in seiner Blütezeit bis zu 100 Leute beschäftigte und Geschäfte im In- und Ausland belieferte. Doch die Konkurrenz, die im Ausland produzierte, war billiger. Am Schluss waren wir nur noch drei Angestellte. Das Unternehmen rentierte nicht mehr. Ich verlor meine Arbeitsstelle. Das ist nun 22 Jahre her – und bis heute fehlt es mir in meinem eigenen Atelier nie an Arbeit – im Gegenteil.  Angestellte habe ich trotzdem keine. Ich stehe für die Qualität meiner Arbeit persönlich ein und mache darum alles selbst. Denn Kleider zu ändern ist eine Wissenschaft. Ich habe sie von Grund auf gelernt. Als ausgebildete Damenschneiderin nähte ich nach dem Krieg in Österreich edle Kleider für die französische Besatzung, dann Lederhosen für die Einheimischen und später habe ich während 36 Jahren in der Konfektion gearbeitet.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Heute zähle ich auf meinen eigenen festen Kundenstamm. Drei Mal die Woche arbeite ich in meinem Atelier in St.Gallen. Das heißt ich stehe um 5 Uhr auf, spaziere zum Bahnhof Speicher und fahre mit der Trognerbahn in die Stadt. Mich pensionieren zu lassen, war und ist keine Option. Wie oft werden Leute pensioniert und nur wenige Wochen später liest man ihre Todesanzeige? Heute bin ich 82 Jahre alt und arbeite immer noch fürs Leben gerne. Jeden Montagmorgen stehe ich auf und freue mich, dass ich eine neue Woche erleben darf. Mich reizen die Aufträge meiner Kunden. Auch wenn es nur eine kleine Kleideränderung ist, ich mache die Arbeit mit Begeisterung. Ich bin aus Prinzip ein positiver Mensch und  sehe selten schwarz. Zu Jammern liegt mir fern. Aus der Fassung bringt mich kaum etwas. Ich habe in den 60er Jahren meinen Sohn alleine aufgezogen und bin mich gewöhnt zu kämpfen und zu arbeiten.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Viele Kunden kenne ich schon seit über zwanzig Jahren. Stress mache ich mir keinen. Warum auch ? Ich habe ja keinen Chef, der nörgelt oder Druck auf mich ausübt. Einmal die Woche gehe ich am Morgen ins Altersturnen – und das während der Arbeitszeit! Einen Tag verbringe ich im Kloster Notkersegg, wo ich für die neun Nonnen und die eine Novizin nähe. Jede Haube, jede Kutte ist maßgeschneidert. Offizielle Ferien von der Arbeit mache ich keine. Ich habe kein Bedürfnis mehr zu vereisen. Das habe ich früher gemacht. Ich war schon zweimal in Hongkong. Heute reicht für mich das Ostwind-Abo für zwei Zonen. Am liebsten bin ich zu hause, bügle die Hemden für eines meiner erwachsenen Grosskinder, löse Kreuzworträtsel, bin in der Kirche aktiv oder mache Krankenbesuche.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Jedes Jahr faste ich während 10 Tagen. Das gibt mir enorm viel Energie. Ich könnte Bäume ausreißen. Das Fasten reinigt nicht nur meinen Körper, sondern auch die Seele und Sinne. Ich bin sensibler; nehme Gerüche und Geräusche besser wahr – sei es das Gezwitscher der Vögel oder der Geschmack von frischgebackenem Brot. Wie lange ich mein Atelier noch betreibe, weiss ich nicht. Einen Plan habe ich keinen. Denn oft kommt es anders als man denkt. Als ich in den fünfziger Jahren als junge Frau von Österreich in die Schweiz kam, wollte ich nur ein bis zwei Jahre bleiben. Seit damals sind 62 Jahre vergangen und ich bin immer noch hier».</p>
<p><em>Kriemhilde King, 82 Jahre, Speicher<br />
</em></p>
<p><em>publiziert 18. april 2012, appenzeller zeitung </em></p>
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		<title>Turmspringen in der Burka?</title>
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		<pubDate>Tue, 10 Apr 2012 06:47:50 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Am 27. Juli beginnen die Olympischen Sommerspiele in London. In 300 Wettkämpfen werden sich rund 15&#8242;000 Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt messen. Das erste Mal in der Geschichte der Spiele werden auch Athletinnen aus Brunei, Saudi Arabien und Quatar erwartet. Bis anhin schickten diese drei Nationen nur Männer zu den Spielen. Für Quatar ist [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Am 27. Juli beginnen die Olympischen Sommerspiele in London. In 300 Wettkämpfen werden sich rund 15&#8242;000 Sportlerinnen und Sportler aus aller Welt messen. Das erste Mal in der Geschichte der Spiele werden auch Athletinnen aus Brunei, Saudi Arabien und Quatar erwartet. Bis anhin schickten diese drei Nationen nur Männer zu den Spielen. Für Quatar ist das Entsenden von weiblichen Athleten wohl eine taktische Angelegenheit.  Der Wüstenstaat bewirbt sich für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2020. Für Brunei wird voraussichtlich die 19 jährige Maziah Mahusin, eine 400-Meter Hürdenläuferin an den Start gehen. In welchen Disziplinen Frauen aus Saudi Arabien starten, ist noch unklar. Denn die Athletinnen dürfen nur antreten, wenn ihre Teilnahme mit dem islamischen Recht vereinbar ist. Alle Sportarten, bei denen das Risiko besteht mehr als nur das Gesicht zu zeigen, sind verboten. Synchronschwimmen oder Turmspringen sind ausgeschlossen. Kugelstoßen wäre hingegen eine Option. Auch fraglich bleibt, in welchen Disziplinen es überhaupt Saudische Sportlerinnen gibt. Mädchen erhalten in der Schule keinen Turnunterricht. Trainingshallen für Frauen wurden in den vergangenen Jahren geschlossen. Wettkämpfe sind verboten. Eine mögliche Olympiateilnehmerin könnte die Reiterin Dalma Rushdi Malhas sein. Würde sie jedoch ins Olympische Reiterteam aufgenommen, müsste dafür einer der besser qualifizierten Männer auf die Teilnahme verzichten. Doch egal in welcher Disziplin Saudische Sportlerinnen an den Olympischen Spielen teilnehmen, die Situation der Frauen in ihrer Heimat wird sich kaum ändern – aber vielleicht die Mullahs zum Nachdenken anregen : Denn warum dürfen Frauen, die ihr Land an Olympischen Spielen vertreten, zu hause nicht einmal Autofahren?</p>
<p><em>publiziert 7. april 2012, appenzeller zeitung</em></p>
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		<title>Schere, Stein, Papier !</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Apr 2012 15:17:01 +0000</pubDate>
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		<category><![CDATA[im puls]]></category>

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		<description><![CDATA[3. april 2012
Einfache Regeln, eindeutiges Resultat: Schere, Stein, Papier ! Der Klassiker aller Knobelspiele ist fair, klar und direkt. Resultate können nicht interpretiert oder umgedeutet werden. Stein ist Stein ist Stein. Profis behaupten, dass das Spiel im Kopf entschieden werde. Wer aggressiv spiele, tendiere zum Stein. Wer das Ganze lockerer in angriff nehme, setze eher auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>3. april 2012<br />
Einfache Regeln, eindeutiges Resultat: Schere, Stein, Papier ! Der Klassiker aller Knobelspiele ist fair, klar und direkt. Resultate können nicht interpretiert oder umgedeutet werden. Stein ist Stein ist Stein. Profis behaupten, dass das Spiel im Kopf entschieden werde. Wer aggressiv spiele, tendiere zum Stein. Wer das Ganze lockerer in angriff nehme, setze eher auf Papier. Wer denkt, dass dieses Spiel nur etwas für Kinder und sonstige Zeitvertreiber sei, irrt. Es gibt auch fortgeschrittene Varianten. Wie begegnet man einem Schwamm ? Was zückt man, wenn  man von einem Blitz herausgefordert wird? Und wie bezwingt man das Feuer ? Für Scheren-Stein-Papier-Puristen sind diese Spielerweiterungen reiner Unsinn. Die Würze des Spiels liegt in seiner Klarheit. Eine Entscheidung meistert man immer nur zu fünft: Schere, Stein, Papier, du und ich.</p>
<p>Die nächste Scheren-Stein-Papier-WM findet 2013 in Toronto statt.</p>
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		<title>lebensmeister</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Mar 2012 06:49:50 +0000</pubDate>
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«Bei meiner Geburt erhielt ich zu wenig Sauerstoff. Ich kam nur 20 Minuten nach meiner Zwillingsschwester Fabienne auf die Welt. Sie ist gesund. Ich bin cerebral gelähmt und sitze im Rollstuhl. Dass ich anders bin, als die anderen, wurde mir schon als kleines Kind bewusst. Ob beim Verstecken spielen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8220;ich versuche mich nicht behindern zu lassen&#8221;</strong></p>
<p>«Bei meiner Geburt erhielt ich zu wenig Sauerstoff. Ich kam nur 20 Minuten nach meiner Zwillingsschwester Fabienne auf die Welt. Sie ist gesund. Ich bin cerebral gelähmt und sitze im Rollstuhl. Dass ich anders bin, als die anderen, wurde mir schon als kleines Kind bewusst. Ob beim Verstecken spielen, Seilspringen oder beim Fußballmatch, ich konnte nie mitmachen, war immer die Zuschauerin. Früher machte mich das traurig und frustriert. Heute bin ich es gewohnt, denn ich habe keine Wahl. Es nützt mir nichts, darüber den Kopf zu zerbrechen. Auf fremde Hilfe angewiesen zu sein, gehört zu meinem Leben.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Ich brauche Unterstützung, sei es beim Aufstehen, bei der Morgentoilette, beim Essen, beim Ins-Bett-gehen. Spontan etwas zu unternehmen, geht nicht. Alles muss zuerst überlegt, geplant und organisiert werden. Doch ich versuche mich davon nicht behindern zu lassen. Als Kind bin ich sogar mit der Hilfe meines Vaters Ski gefahren. Heute kaufe ich selbst ein, gehe ins Kino oder Theater, fahre in die Stadt und habe meine tägliche Arbeit in einem Büro. Ich arbeite am Computer und mache zum Beispiel das Layout für eine Quartierzeitschrift. Auch spiele ich bei den «Qualmenden Reifen St.Gallen» Unihockey. Der Schläger wird dabei am Rollstuhl befestigt. Mit dem Team bestreite ich Spiele in der ganzen Schweiz und habe mit der Mannschaft an internationalen Turnieren im Ausland teilgenommen – sei es  in Berlin oder Holland. Auch als Zuschauerin verzichte ich nicht auf Sport. Die Heimspiele des FC St.Gallens verfolge ich im Stadion. Ich bin kein fanatischer Fan, das überlasse ich meinen Kollegen.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Diesen  Sommer verreise ich wieder nach Rhodos. Ich mag die Wärme und im Wasser fühle ich mich gut, einfach wohl. Vergangenes Jahr ließ ich mich hinter einem Boot in die Luft ziehen – natürlich mit einem Fallschirm. Zuerst dominierte die Angst, dann habe ich den Flug genossen. Abenteuer und Lebensfreude in einem. Auf die Reise bin ich gespannt, doch insgeheim träume ich von einem Trip in die Vereinigten Staaten.</p>
<p style="text-align: center;">*</p>
<p>Seit 12 Jahren wohne ich im Quimby Huus in St.Gallen – Winkeln, eine Wohnstätte für Menschen mit einer Körperbehinderung, Hirnverletzung oder einer fortschreitenden Krankheit. Hier habe ich mein eigenes Zimmer, meinen Computer, mein persönliches Reich. Am Anfang hatte ich Heimweh zu meiner Familie in Teufen. Mich von meinen Eltern abzulösen, fiel mir schwer. Es war eine harte Zeit. Heute weiss ich, dass ich durch das Wohnen im Quimby Huus selbstständiger und erwachsener geworden bin. Sind meine Mitbewohnerinnen nicht hier, vermisse ich sie. Jedes zweite Wochenende verbringe ich bei meinen Eltern. Sie sind es auch, die mich motivieren und mich aufbauen, wenn mir die Energie fehlt. Um mich zu entspannen höre ich Musik, am liebsten von Celine Dion. An einem Konzert von ihr war ich noch nie. Menschenmassen und Treppen stellen mich im Rollstuhl vor eine grosse Herausforderung. Die Leute in der Öffentlichkeit begegnen mir und meiner Behinderung unterschiedlich. Es gibt solche, die behandeln mich wie ein kleines Kind. Andere sehen mich als vollwertige, junge Frau. Was ich mir wünschen würde, wenn mir eine Fee zwei Träume erfüllen würde? Ganz klar: Laufen zu können und ein Leben ohne fremde Hilfe zu führen».</p>
<p><em>Myriam Grob, 31 Jahre, St.Gallen / Teufen</em></p>
<p><em>publiziert, 28. märz 2012, appenzeller zeitung</em></p>
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		<title>Frauenquote im Journalismus?</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Mar 2012 04:06:04 +0000</pubDate>
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				<category><![CDATA[auswahl kolumnen]]></category>

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		<description><![CDATA[Macht ist in den Medien männlich. Die Führungsposten im Journalismus sind fest in Männerhand. In Deutschland soll sich dies nun ändern: In einem offenen Brief an Chefredaktoren, Programmleiter und Verleger fordern 350 Journalistinnen eine Frauenquote von 30 Prozent auf den Führungsetagen. Laut der Initiative «Pro Quote» werde heute nur gerade mal zwei Prozent aller Chefredaktionen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Macht ist in den Medien männlich. Die Führungsposten im Journalismus sind fest in Männerhand. In Deutschland soll sich dies nun ändern: In einem offenen Brief an Chefredaktoren, Programmleiter und Verleger fordern 350 Journalistinnen eine Frauenquote von 30 Prozent auf den Führungsetagen. Laut der Initiative «Pro Quote» werde heute nur gerade mal zwei Prozent aller Chefredaktionen der rund 360 deutschen Tagens- und Wochenzeitungen von Frauen geführt. Auch in der Schweiz sind weibliche Chefredakteurinnen in der Unterzahl. Doch ist eine Frauenquote wirklich die Lösung? Oder anders formuliert: Brauchen Frauen überhaupt eine Quote? Denn Frau oder Mann sein ist keine Qualifikation. Qualität, Kompetenz und Engagement zählen, um eine Redaktion zu leiten. Zweifel, dass Frauen über diese Fähigkeiten verfügen und erfolgsorientiert einsetzen können, habe ich keine. Die Frage ist nur: Wie verbissen sind Frauen in die Macht? Wie fokussiert verfolgen sie Seilschaften und Führungsansprüche? Und wie weit gehen sie, um den Chefsessel zu ergattern und ihn zu verteidigen? Der Mangel an Frauen in den Chefredaktionen ist ein Frauenproblem – basierend auf dem Kampf mit Redaktionskulturen, Arbeitsstrukturen und Mitstreiterinnen. Eine Frauenquote ist keine Lösung.</p>
<p><em>publiziert, 16 märz 2012, Appenzeller Zeitung </em></p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong> </strong></p>
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