Ausgebildet in Trogen, im Einsatz in der Heimat
Das Projekt emPower fördert junge Erwachsene aus verschiedenen Ländern in interkultureller Jugendarbeit
Siebzehn TeilnehmerInnen aus neun verschiedenen Ländern werden im Pestalozzi Dorf in interkultureller Kommunikation ausgebildet. Das erlernte Wissen geben sie in ihrer Heimat an Kinder und Jugendliche weiter.
Sie stammen aus Laos, Thailand, Burma, Honduras, El Salvador, Guatemala, Mazedonien, Rumänien und Serbien. Gemeinsam ist ihnen weder ihre Religion, noch die Sprache oder kulturelle Herkunft. Gleich ist jedoch ihr Ziel: Die Ausbildung zur Fachperson in interkultureller Jugendarbeit.
Aussergewöhnlicher Lehrgang
Doch was nach einem alltäglichen Lehrgang tönt, ist alles andere als gewohnt. Die 17 Studierenden lernen nicht nur zusammen, sondern leben miteinander. Sieben Tage die Woche und das neun Monate lang in einem Haus im Pestalozzi Dorf. „Interkulturelle Kommunikation wird nicht nur gelernt, sondern gelebt. Und das tagtäglich. Konfliktschlichtung wird in der Theorie vermittelt und im Alltagsleben angewandt. Lösungsstrategien in der Klasse besprochen, und im Leben umgesetzt“, betont Samir Haskic, Koordinator des Projektes. Das Verständnis für andere Kulturen und die Reflexion über das eigene Handeln stehen im Mittelpunkt. „Die Verschiedenheit der TeilnehmerInnen ist dabei kein Nachteil, sondern eine Ergänzung, ein Gewinn“, ergänzt Haskic.
Die jungen Erwachsenen sehen ihren Aufenthalt in der Schweiz als grosse Chance. Den Kulturschock und das Heimweh nehmen sie dafür gerne in Kauf. „Das Zusammenleben verschiedener Kulturen ist auch in meiner Heimat Thailand ein grosses Anliegen“, betont die 23 jährige Wilailuck Pavarisorn, die sich im Norden Thailands für die Schulausbildung von Minderheiten einsetzt. „Die erlernten Strategien, wie man Konflikte löst und Toleranz fördert, möchte ich in meinem Berufsalltag umsetzen und an mein Umfeld weitergeben“. Und ihr Kollege César Garcia aus Guatemala, der sich in Guatemala Stadt gegen Rassismus zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen einsetzt, fügt hinzu: „Ich kann hier in diesem Umfeld direkter und freier sein als zu Hause. Offenheit und Sicherheit, die in meinem gewohnten Umfeld oft nicht existieren“.
Zum Multiplikator werden
Das Ziel von emPower ist es, dass die jungen Erwachsenen das erlernte Wissen und die praktischen Erkenntnisse zurück in ihre Heimat mitnehmen und weitergeben. Sie sollen zu Multiplikatoren werden und damit Kommunikation und Verständnis zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen fördern. Doch warum werden die jungen Erwachsenen nicht in ihrem eigenen Land ausgebildet, wo sie die Erkenntnisse direkt umsetzten können? Der Kulturschock in der Schweiz bliebe ihnen erspart und das Budget würde geschont. „Die Lernsituation fern von der Heimat ist eine andere als im eigenen gewohnten Umfeld“, betont emPower Koordinator Samir Haskic. „Die jungen Erwachsenen können sich öffnen, ohne hemmende Einflüsse Meinungen entwickeln, Prozesse hinterfragen und schlussendlich Lösungsstrategien anwenden. Im Herkunftsland der TeilnehmerInnen ist das nicht immer möglich: Oder können sie sich vorstellen in Burma unbehelligt eine Diskussion über Rechte von Minderheiten zu führen?
emPower
Das Projekt emPower versteht sich als interkulturelles Leadership Programm für junge Erwachsene aus verschiedenen Kulturen. Die jungen TeilnehmerInnen im Alter von 18 bis 28 Jahren arbeiten in ihrem Heimatland mit einer lokalen Partnerorganisation der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi zusammen. Die Organisationen setzen sich vor Ort für Kinder- und Jugendliche ein. Nach der neunmonatigen Ausbildung im Pestalozzi Dorf in Trogen kehren die TeilnehmerInnen zu den entsprechen Organisationen zurück um das Erlernte umzusetzen. emPower wurde 2006 und 2007 zum ersten Mal erfolgreich durchgeführt. Das Projekt steht unter dem Patronat der schweizerischen UNESCO Kommission und wird durch verschiedene Stiftungen, sowie die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) unterstützt.
publiziert Appenzeller Zeitung, 28. mai 2009
Sie lesen “Ausgebildet in Trogen, im Einsatz in der Heimat,” ein Artikel von christa wuethrich
- publiziert am
- 05.28.09
- in der rubrik
- Allgemein

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